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Feine Bude / Recht
Musizieren 950x500 Wieviel Musizieren ist erlaubt
©Javier Cuadrado/stock.adobe.com

Wieviel Musizieren ist erlaubt?

„Alle Vöglein sind schon da, alle Vöglein, alle“ – zum x-ten Mal spiel die siebenjährige Charlotte nun das Lied auf dem Klavier. Und so wird es noch eine Weile gehen. Denn sie muss das Lied bis zur nächsten Klavierstunde gut spielen können. Charlottes Vater fragt sich, wann sich die Nachbarn eventuell beschweren. Und wieviel Musizieren eigentlich erlaubt ist. Erfahren Sie jetzt, welche Regelungen es im Mietrecht für das Musizieren zu Hause gibt.

Musizieren ist grundsätzlich erlaubt

Das Musizieren im eigenen Zuhause ist grundsätzlich erlaubt. Schließt der Mietvertrag keine besonderen Regelungen mit ein, dürfen Mieter zwei bis drei Stunden außerhalb der geltenden Ruhezeiten musizieren. Wichtig: Es ist egal, ob es sich um einen Anfänger oder einen bereits fortgeschrittenen Musiker handelt. In der Regel gelten die Ruhezeiten von 22  bis 6 Uhr, sowie zwischen 13 und 15 Uhr. Oftmals gibt es im Rahmen der Hausordnung gesonderte Ruhezeiten.

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Unterschiede bei den einzelnen Instrumenten

Tatsächlich macht es einen Unterschied, ob Schlagzeug, Saxofon oder Flöte gespielt wird. Der Deutsche Mieterbund hat hierzu Beispiele und Gerichtsentscheidungen aufgeführt:

  • Akkordeon: 1 1/2 Stunden pro Tag zwischen 9 und 13 und 15 und 22 Uhr
    (LG Kleve 6 S 70/90).
  • Klarinette und Saxofon: 2 Stunden täglich, sonntags nur 1 Stunde
    (OLG Karlsruhe 6 U 30/87)
  • Schlagzeug: 45 bis 90 Minuten täglich, außer sonntags
    (LG Nürnberg-Fürth 13 S 5296/90).
  • Klavier: Maximal 3 Stunden täglich, am Wochenende weniger
    (BayObLG 2 Z BR 55/95).

Einschränkende Mietverträge

Steht in Ihrem Mietertrag keine spezielle Regelung, so ist also von zwei bis drei Stunden Musizierzeit täglich auszugehen. Sieht der Mietvertrag anderes vor, muss sich daran gehalten werden. Einschränkende Vorgaben sind zulässig, sofern sie das Musizieren nicht gänzlich verbieten. Sonn- und Feiertage gelten als Ruhetage. Hier sollte die Zimmerlautstärke eingehalten werden.

Wieviel Musizieren ist für Berufsmusiker erlaubt?

Ob Konzertpianistin oder Geigenlehrer – auch Berufsmusiker müssen sich an das allgemeine Mietrecht beziehungsweise an die Bestimmungen des Mietvertrags halten. Ausnahmen gibt es selbstverständlich: Nämlich dann, wenn der Mietvertrag eine besondere Regelung für Hausmusik oder Musikunterricht aufführt. Es kann aber auch passieren, dass der Vermieter das Ausüben geschäftlicher Aktivitäten in dem zu Wohnzwecken angemieteten Objekt gar nicht gestattet.

Kommunikation ist alles

Am besten reden beide Seiten erst einmal in Ruhe miteinander. Fühlen Sie sich gestört durch das regelmäßige Flötenspiel des Nachbarkindes, sprechen Sie mit seinen Eltern. Vielleicht lässt sich ein für alle Beteiligten guter Kompromiss finden. Oder machen Sie sich Sorgen, ob die Nachbarn von Ihrem Cello-Spiel bereits genervt sind? Erkundigen Sie sich freundlich, ob Ihr Üben erträglich ist. Vielleicht erfahren Sie sogar, dass die Nachbarn Ihnen sehr gern lauschen.


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